KI malt ein Bild

KI-generierte Bilder – eine Alternative für KMU?

Wie werden Bilder mit KI generiert?

Technisch gesehen gibt es verschiedene Methoden, wie künstliche Intelligenz Bilder erstellt. Doch im Allgemeinen geht es darum, dass KI auf Grundlage riesiger Datensätze lernt, wie Bilder aussehen sollen, und versucht, ähnliche Ergebnisse zu erzielen. Als User gibt man eine kurze Beschreibung des Inhalts sowie den Stil vor und erhält nach einigen Sekunden sein Ergebnis. Mit KI generierte Influencer:innen erreichen auf Instagram, TikTok und Co Millionen Follower. @lilmiquela, die auf Instagram 2.7 Millionen Follower hat, existiert bereits seit 2016 auf Instagram. Und auch, wenn bereits zu diesem Zeitpunkt das nahende Ende echter Schauspieler:innen, Grafiker:innen oder das Ende echter Fotografie vorausgesagt wurde, passierte danach öffentlichkeitswirksam wenig.

Erst als DALL-E 2021 online ging und seitdem immer mehr frei zugängliche KI zur Erstellung von Bildern folgte, entstand die nächste Welle KI-generierten Contents. Doch wie können KMU oder Grafiker:innen in ihrer täglichen Arbeit KI-generierte Bilder nutzen?

Was sind meine persönlichen Erfahrungen?

Als Grafiker bin ich inzwischen grosser Fan von KI in der Bildbearbeitung, da sie mir, seit der Integration in Photoshop, sehr viel Zeit erspart. Statt durch langwieriges Stempeln, Retuschieren und Zeichnen lassen sich nun innerhalb von Sekunden Hintergründe erweitern oder bestimmte Bereiche löschen. Das inhaltsbasierte Erweitern gibt es zwar bereits seit längerem, doch für das perfekte Ergebnis kam man um Nacharbeit nicht herum.

Mit dem generativen Füllen lassen sich Bilder zum einen inhaltsbasiert erweitern, d.h. die KI erweitert um Bereiche, die ausserhalb liegen. Wie beeindruckend das funktioniert wird besonders deutlich, wenn man Portraits erweitern möchte, wie in diesem Beispiel:

00_Portrait-KI

Originalfoto von Rene Asmussen: https://www.pexels.com/de-de/foto/blonde-frau-641314/

Zum anderen kann man ihr eine Beschreibung dessen geben, was ausserhalb des Bildes liegen soll oder wie im folgenden Beispiel innerhalb. Wie beeindruckend dieses Ergebnis ist, hängt jedoch stark davon ab, was man haben möchte. Während Gegenstände meist kein Problem sind, kann das Ergebnis bei Menschen oder Tieren sehr gruselig aussehen.

01_Gegenstand-Original

Originalfoto von Philip Ackermann : https://www.pexels.com/de-de/foto/szenische-ansicht-des-berges-1666021/

Insgesamt sind die Ergebnisse jedoch gut genug, um uns den Alltag zu erleichtern, wenn es beispielsweise um Formatanpassungen für Instagram geht, geschlossene Augen auf dem Gruppenbild oder um diesen einen unpassenden Kalender verschwinden zu lassen, der an der Wand hing, als für neue Imagebilder der Fotograf in der Firma war.

Warum nicht mehr? Wo liegen die Grenzen?

Das Problem kostenloser Bildgeneratoren wie DALL-E, Adobe Firefly und Co ist, dass sich Ergebnisse oder Stile schwer reproduzieren lassen, was eine konstante Integration generativer Bilder als Teil des Corporate Design schwierig macht. Hinzu kommt, dass Anpassungen einzelner Teile eines Bildes nur schwer möglich sind. Man kann Bereiche markieren und neu generieren lassen, das Ergebnis bleibt jedoch mehr oder weniger Glückssache.

Zwar lassen sich in Firefly Bilder als Stilreferenz nehmen, das führt jedoch teilweise zu unerwarteten Ergebnissen. Ist das Referenzbild beispielsweise die Illustration eines roten Apfels, wird evtl. auch die anschliessend erzeugte Banane rot. Ausserdem gilt, je einfacher der Stil, umso schwerer fällt es der KI ihn nachzuahmen.

Die Entwicklung bleibt jedoch spannend. Es ist vorstellbar, dass man einer KI zukünftig neben Stil und Inhalt zusätzliche Eigenschaften mitgeben kann und die Ergebnisse so individuell und reproduzierbar werden.

Wie sollten Grafiker:innen mit dem Thema umgehen?

Werden wir Grafiker:innen bald von KI ersetzt? Unsere Aufgabe ist es nicht, Grafiken zu erstellen, um Grafiken zu erstellen. Unsere Aufgabe ist es, Informationen zugänglich zu machen und Aufmerksamkeit zum richtigen Zeitpunkt auf den richtigen Ort zu lenken. Und um das zu erreichen, sollten wir KI als Werkzeug betrachten, nicht als Konkurrenz. Grafiker:innen, die sich gegen Trends stellen, statt sie zu erkennen und mit ihnen zu arbeiten, werden viel schneller durch andere Grafiker:innen ersetzt als durch KI.

So sehr ich es auch liebe, dass Chuck Norris Witze inzwischen mit Hilfe von KI illustriert wurden, glaube ich dennoch, auch Illustrator:innen müssen sich nicht fürchten. Die digitale Fotografie und immer bessere Smartphone Kameras sollten schliesslich auch Fotograf:innen verdrängen – doch es gibt sie noch immer.

Aber ich bin ja auch voreingenommen, darum habe ich den «Feind», eine KI, gefragt.

Das war ihre Antwort:

Es ist möglich, dass Künstliche Intelligenz (KI) in der Zukunft einige Aspekte der grafischen Gestaltung automatisieren kann, aber es ist unwahrscheinlich, dass sie Grafiker vollständig ersetzen wird. Grafikdesign erfordert oft kreative Entscheidungen, ästhetisches Empfinden und die Fähigkeit, sich in die Zielgruppe einzufühlen, was menschliche Intelligenz bisher besser beherrscht als KI.

Es gibt bereits KI-Tools, die bestimmte repetitive Aufgaben im Grafikdesign unterstützen können, wie das Generieren von Muster oder das Optimieren von Bildern. Diese Werkzeuge können die Effizienz steigern und den Arbeitsprozess beschleunigen, aber sie ersetzen nicht die kreative Vision und den künstlerischen Ausdruck eines Grafikers.

Möglicherweise sehen wir in der Zukunft eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Grafikern und KI, bei der KI-Tools als unterstützendes Mittel verwendet werden, um den Designprozess zu verbessern. Es wird wichtig sein, wie Grafiker ihre Fähigkeiten weiterentwickeln, um die neuen Technologien effektiv zu integrieren und ihre einzigartige kreative Perspektive beizubehalten.

Künstliche Intelligenz

Wie sollten Marketer damit umgehen?

Marketer (die Grafiker:innen beauftragen oder selber Bilder erstellen wollen) sollten tun, was sie immer tun sollten: In erster Linie ihre Zielgruppe im Blick haben. Bisher beinhalten mit KI generierte Bilder oft kleine Fehler oder sind sehr überfüllt, was sie austauschbar macht. Für einige Anwendungsfälle mag das okay sein, doch nicht jede Zielgruppe lässt sich damit optimal erreichen. Um Marketingziele langfristig und nachhaltig zu erreichen, braucht es wie bisher, Qualität und Wiedererkennbarkeit und nicht nur Content mit der Giesskanne.

Zudem sind mit KI erzeugte Bilder nicht urheberrechtlich geschützt. Das klingt, wenn man sie verwenden möchte, zunächst positiv. Es bedeutet jedoch auch, dass Bilder, die man «selbst» erzeugt hat, ebenso von der Konkurrenz genutzt oder sogar missbraucht werden können. Die rechtliche Lage bezüglich KI-generierter Bilder, die reale Personen darstellen oder bestimmte Künstler:innen nachahmen, ist zudem noch nicht abschliessend geklärt.

Nichtsdestotrotz sollte KI nicht ignoriert werden. Wenn sie klug eingesetzt wird, ist sie ein Tool, das Kosten sparen kann und uns in Zukunft neue spannende Möglichkeiten eröffnen wird.

Ps.: Das Titelbild dieses Blogbeitrags habe ich mit Adobe Firefly erstellt. Für Blogbeiträge also durchaus eine Alternative zu Stockbildern mit den gleichen Vor- und Nachteilen.