AI killed the Google Star? - Was KMU jetzt für SEO wissen sollten

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Wer eine KMU-Website betreibt, hat es vielleicht schon in den Reports gemerkt: das Verhalten der Besuchenden ändert sich gerade.

Menschen suchen Informationen nicht mehr nur über Google. Sie fragen ChatGPT, Gemini, Claude oder Perplexity. Sie lesen Antworten direkt in AI Overviews. Sie klicken später, gezielter und manchmal auch gar nicht mehr. Und genau das ist der Punkt: Für KMU wird Sichtbarkeit nicht kleiner, aber sie funktioniert anders als noch vor wenigen Jahren.

Die gute Nachricht zuerst: Das heisst nicht, dass SEO tot ist. SEO verändert sich nur und es kommen neue Bereiche bzw. Perspektiven hinzu: AEO, GEO usw., doch dazu später mehr.

Früher war die Logik oft relativ simpel: möglichst gut ranken, möglichst viele Klicks holen, möglichst viel Traffic zum Konvertieren bringen, fertig. Heute reicht das als Denkmodell nicht mehr. Denn immer öfter werden Antworten schon in der Suche oder direkt im Chat konsumiert. Sichtbarkeit verschiebt sich deshalb von reinem Ranking hin zu Zitierbarkeit, Vertrauen, Markenpräsenz und Conversion-Nähe.

 

Die Suche verändert sich - auch in der Schweiz!

Dass das kein reines US-Tech-Thema ist, zeigen die Schweizer Daten ziemlich deutlich.

Laut einer zusammengefassten Datenauswertung zur Schweiz nutzen inzwischen 76 Prozent der erwachsenen Bevölkerung KI-Chatbots wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity. Noch spannender ist der zweite Wert: 41 Prozent der Befragten nutzen solche Tools für Informationssuche anstelle von Google oder Bing. Das ist kein "kleines Zusatzverhalten" mehr, sondern ein echter Shift von Linksuche zu Antwortsuche.


via comparis.ch: Bereits drei Viertel der Bevölkerung nutzen KI-Helfer wie ChatGPT & Co.

 

Gleichzeitig bleibt Google im klassischen Suchmarkt klar dominant. Laut StatCounter lag der Search-Engine-Marktanteil von Google in der Schweiz im März 2026 bei 79,94 Prozent. In einem separaten StatCounter-Vergleich der Kanäle entfielen in der Schweiz 88,58 Prozent des Marktanteils auf Search, 10,86 Prozent auf Social und 0,56 Prozent auf AI Chatbot. Das sind unterschiedliche Messlogiken, zeigen aber in dieselbe Richtung: Klassische Suche ist weiterhin gross, auch wenn KI-Tools an Nutzung gewinnen.

Genau deshalb sieht man den Wandel in vielen Analytics-Setups noch nicht so deutlich, wie er im Verhalten der Nutzer bereits stattfindet. Wer eine Antwort direkt im Chat oder in einem AI Overview bekommt, erzeugt oft keinen normalen Website-Klick. Für KMU heisst das: Auch wenn ihr in euren Reports noch keinen grossen AI-Traffic seht, kann sich das Suchverhalten eurer Zielgruppe längst verschoben haben.

 

Google bleibt wichtig, aber das Spiel wird komplizierter

Viele Diskussionen über KI in der Suche klingen gerade ein bisschen so, als müssten Unternehmen sich zwischen "SEO" und "KI-Optimierung" (KIO? AIO? 🤔) entscheiden. Das ist zu kurz gedacht.

Google bleibt (vorerst) wichtig. Sehr wichtig sogar. Aber Google ist eben nicht mehr nur eine Liste aus zehn blauen Links. Mit AI Overviews und AI Mode wird die Suchoberfläche selbst stärker zur Antwortmaschine. Gleichzeitig verlagern sich zumindest Teile der Recherche zusätzlich in Chatbots. Damit entstehen neue Zwischenschritte zwischen Suchanfrage und Website-Besuch.

Aus Trefferlisten werden zunehmend Antwortoberflächen und Assistenz-Erlebnisse. Für klassische Suchergebnisse bleibt dadurch weniger Aufmerksamkeit im sofort sichtbaren Bereich (above-the-fold). Gleichzeitig steigt aber die Chance auf Sichtbarkeit durch Zitationen, wenn Inhalte klar strukturiert, vertrauenswürdig und gut verwertbar sind.

Für KMU bedeutet das vor allem eines: Gute Inhalte reichen nicht mehr, wenn sie online schlecht aufbereitet sind. Wer lange Anläufe nimmt, wichtige Aussagen irgendwo in Absatz fünf versteckt oder Vertrauen nur stillschweigend voraussetzt, macht es Suchsystemen unnötig schwer.

 

Nicht weniger Sichtbarkeit - eine andere Sichtbarkeit!

Ein klassischer Denkfehler ist: Wenn weniger geklickt wird, bin ich weniger sichtbar.

Das kann stimmen. Muss aber nicht.

In vielen Fällen werden Inhalte durchaus wahrgenommen, nur eben anders als früher. Nutzer lesen eine Antwort direkt in der Suchoberfläche. Sie sehen euren Namen in einer Quelle. Sie merken sich vielleicht eure Marke. Oder sie klicken erst später über eine Brand-Suche, direkt oder über einen anderen Kanal.

Genau deshalb ist das alte Verständnis von SEO-Reports oft zu eng geworden. Ranking, Impressionen und Klicks bleiben wichtig, aber sie zeigen nicht mehr die ganze Story.

Ein oft zitiertes Phänomen in diesem Zusammenhang ist das sogenannte Krokodilmaul: Die Impressionen bleiben stabil oder steigen sogar, während die Klicks sinken. Das Bild dahinter ist simpel: Eure Inhalte werden weiterhin ausgespielt oder sogar öfter gesehen, aber weniger Menschen klicken darauf, weil ein Teil der Informationsbedürfnisse bereits vorher abgefangen wird:

 via ahrefs.com: The Great Decoupling (or Why Your Clicks Are Down and Impressions Up)

 

Wenn ein AI Overview ausgespielt wird, liegt die CTR (Click-Through-Rate) des Top-Ergebnisses im Schnitt deutlich tiefer, laut Studien bei rund 34,5 Prozent niedriger als bei vergleichbaren Keywords ohne AI Overview.

Für informationsgetriebene KMU-Themen ist das besonders relevant. Wer mit Ratgeberinhalten, Erklärseiten, Leistungsseiten oder Blogartikeln unterwegs ist, spürt die Veränderung meist früher als Unternehmen, die fast nur über direkte Brand-Suchen oder sehr transaktionale Anfragen gefunden werden.

 

Was für KMU jetzt wichtiger wird als Suchposition 1 bis 10

Platzierungen bleiben schön. Keine Frage. Aber sie sind nicht mehr die einzige Währung.

Wichtiger werden jetzt vor allem fünf Dinge:

  1. Zitierfähige Inhalte

    KI-Systeme und moderne Suchoberflächen verwerten nicht einfach „die beste Webseite“, sondern oft die klarste Passage. Wer die Kernfrage direkt beantwortet, sauber gliedert und relevante Fakten gut auffindbar macht, hat bessere Chancen, überhaupt in diesen neuen Oberflächen stattzufinden.

  2. Sichtbare Vertrauenssignale

    Viele KMU haben mehr Fachwissen, als ihre Website zeigt. Autorenschaft, Aktualität, Quellen, Kontaktmöglichkeiten, Referenzen und lokale Signale werden wichtiger, weil sowohl Suchsysteme als auch Nutzer besser verstehen wollen, warum man euch vertrauen sollte.

  3. Klare Markenpräsenz

    Wenn weniger direkt geklickt wird, gewinnt die Frage an Gewicht, ob man sich euren Namen merkt. Wer als Anbieter klar positioniert ist, wird eher wiedergefunden, eher weiterempfohlen und eher später direkt gesucht.

  4. Saubere Struktur und Technik

    Schema, interne Verlinkung, logische Seitentypen, klare Überschriften und saubere Entitäten sind keine rein technischen SEO-Spielereien mehr. Sie helfen Maschinen dabei, Inhalte korrekt zu verstehen und sinnvoll zu referenzieren.

  5. Besseres Monitoring

    Wer heute nur auf Rankings und organische Klicks schaut, sieht den Wandel zu spät. Künftig braucht es zusätzlich einen Blick auf Zitationen, AI-Referrals, Brand Search, Prompt-Mentions und Mikro-Conversions. Genau dazu kommen wir später in der Serie noch ausführlich.

 

Pro-Tipp: Don't panic, but move!

Die schlechteste Reaktion auf diese Entwicklung ist Hektik. Die zweitschlechteste ist Abwarten.

KMU müssen jetzt nicht ihre ganze Website "neu erfinden" oder jedem Buzzword hinterherrennen. Meist geht es zuerst um etwas viel Bodenständigeres: Inhalte klarer machen, Vertrauen sichtbarer machen, Seiten besser strukturieren, die Marke schärfen und danach nüchtern beobachten, ob bzw. was sich verändert.

Genau darin liegt übrigens auch die Chance für kleinere Unternehmen. Grosse Websites haben zwar oft mehr Reichweite, aber sie sind auch träger. KMU können oft schneller entscheiden, verständlicher schreiben, spezialisierter auftreten und näher an echten Kundenfragen arbeiten. Wenn man das sauber auf die Website bringt, ist das in einer KI-geprägten Suche kein Nachteil, sondern oft ein Vorteil.

Aktuelle Daten zeigen zudem, dass die Effekte zwar klar negativ sein können, aber nicht völlig gleichförmig für alle ausfallen. Der Druck ist real, aber die Wirkung ist nicht für alle gleich. Genau deshalb lohnt sich keine Pauschalpanik, sondern eine saubere Priorisierung.

 

Die sinnvollste Denkweise für 2026 und danach

Die Frage "Wie komme ich bei Google auf Position 1?" ist einfach nicht mehr zeitgemäss.

Die bessere Frage lautet: Wie sorge ich dafür, dass mein Unternehmen in möglichst allen neuen Such- und Antwortumgebungen sichtbar, vertrauenswürdig und handlungsaktivierend bleibt?

Dafür braucht es ein breiteres Verständnis von Sichtbarkeit:

  • gefunden werden
  • genannt werden
  • verstanden werden
  • erinnert werden
  • und am Ende auch angefragt werden

Klassisches SEO verschwindet also nicht. Es wächst eher in etwas Grösseres hinein. Manche nennen das AEO (Answer Engine Optimization) oder GEO (Generative Engine Optimization). Wieder andere fassen das Akronym SEO einfach breiter und sprechen von Search Everywhere Optimization. Für KMU ist der Begriff unterm Strich völlig egal. Entscheidend ist, dass Inhalte, Vertrauenssignale, Marke, Technik und Monitoring enger zusammenspielen als früher.

 

Fazit

Die Suche in der Schweiz verändert sich spürbar. KI-Chatbots werden breit genutzt, ein wachsender Teil der Informationssuche verlagert sich dorthin, und gleichzeitig verändern AI Overviews die Klicklogik für's "Googeln" ("Googlen"? 🤔). Google bleibt dominant, aber der Weg von der Frage zur Website wird unübersichtlicher.

Für KMU ist das kein Grund zur Panik, sondern zur Priorisierung. Wer jetzt lernt, Inhalte zitierfähiger zu machen, Vertrauen sichtbarer zu zeigen und Sichtbarkeit breiter zu denken als nur über Rankings, ist deutlich besser aufgestellt als Unternehmen, die noch auf das alte Suchverhalten hin optimieren.

Im nächsten Beitrag schauen wir uns deshalb ganz konkret an, wie Inhalte heute aufgebaut sein müssen, damit sie in AI Overviews, Chatbots und moderner Suche überhaupt eine realistische Chance auf Sichtbarkeit haben.